05/30/12

Konstruktion von Geschlechterrollen – Warum die Frauenquote vorhandene Vorurteile bestätigt und nicht beseitigt. Ein Essay

Der nachfolgende Text ist ein Essay, welches ich für das Seminar „Einführung in die Kulturwissenschaften“ eingereicht hatte. Möglicherweise ist manche Position davon bereits nicht mehr aktuell, andere waren vielleicht nicht richtig. Es sind auch eher Gedanken und weniger ausführlich recherchierte Fakten. Für eine Diskussion zum Thema bin ich gern verfügbar. Für Schmähkommentare hingegen nicht.

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05/16/12

Der Fall Hartmut S.

Okay. @hase_berlin aka Hartmut Semken ist zurückgetreten.

Wer, werdet ihr jetzt eventuell fragen. Der Piraten-Landeschef von Berlin, wie die Presse ihn nennt. Der Vorstandsvorsitzende des Landesverbandes Berlin der Piratenpartei Deutschland, wie es korrekt heißen müsste.

Denn Chef war er nie. Er hatte keine Untergebenen und hat auch keine wichtigen Entscheidungen allein treffen können. Das geht eigentlich auch überhaupt nicht, da alles Wichtige zu entscheiden wenigstens eines zweiten Vorstandsmitgliedes bedurft hätte (Vier-Augen-Prinzip), zur Bestätigung aber einer Mehrheit des Vorstandes. Allein das beschreibt schon die Machtverhältnisse. Selbst nur streng nach Parteiengesetz – ohne den selbst auferlegten Ethos der Piraten, nach dem der Vorstand allein verwaltenden Charakter zu haben hat und er nicht höhergestellt ist als jeder andere Pirat in der Partei – ist es eigentlich(!) gar nicht möglich, das ein Vorstandsvorsitzender einer Partei oder eines Landesverbandes eigenmächtig Dinge entscheiden kann und damit durchkommt. Das es in anderen Parteien Gang und Gebe ist, das der „Große Vorsitzende“ mit so etwas durchkommt: geschenkt. Macht kann man sich nicht nehmen, sie wird verliehen (vgl. Hannah Arendt – Macht und Gewalt). Die Mitglieder der Parteien sind gewissermaßen selbst (mit) schuld, dass die Verhältnisse so sind, wie sie sind. Sie lassen es zu. Sie verhindern es nicht.

Die Frage, die ich mir jetzt schon zum wer weiß wievielten Male stelle: Warum kochen wir selbst die Sache um Hartmut so hoch? Weil er als jetzt zurückgetretener Vorstandsvorsitzender des LV Berlins Dinge in ein Mikro gesagt hat, die er besser gelassen hätte? Weil er sich zunächst geweigert hat, direkte Konsequenzen daraus zu ziehen?

Ich möchte mal nur grob umreißen, was mir auf diese Fragen so durch den Kopf geht. Es wird nicht argumentativ zu Ende gedacht sein, eventuell Facetten nicht beleuchten, vielleicht auch kompletter Mumpitz sein. Mir egal. Hier darf ich das.

Also, zum ersten Punkt:
Der Landesvorsitzende Hartmut Semken redet gequirlte Kackscheiße in ein Mikro, so ungefähr der Tenor der Berichterstattung sowohl über die etablierten Medien als auch die neuen. Schön und Gut. Warum wird das von uns so aufgefasst? Weil er in dem Moment den LV Berlin und damit auch die Piratenpartei an sich repräsentiert hat? Mag ja sein. Aber wer machte ihn denn zum Sprachrohr? Nach unserem Verständnis ist der Vorstand eben gerade nicht Meinungsmacher und –vorgeber, sondern lediglich Verwaltungsmensch. Die Presse begreift Funktionäre aber eben auf althergebrachte Weise als Machtmenschen, die Parteimeinung sprechen. Aber das tun sie in den seltensten Fällen. Sie sprechen aus, was sie selbst denken, wie sie Dinge sehen und interpretieren, oftmals auch, um die Partei in genau diese Richtung zu zwingen und ohne Rücksprache mit der Partei. Das läuft aber wieder auf Hannah Arendt hinaus. Wenn wir das so zulassen, haben wir das auch verdient. Da er damit aber offensichtlich trotzdem durchgekommen ist und die Presse weiter auf der Welle geritten ist und wir uns fremdschämend fazialpalmieren, weil das schlechte Presse bedeutet, sollten wir uns auch mal fragen, ob wir eigentlich für die Presse Politik machen oder weil wir etwas verändern wollen. Schielen wir wirklich allen Ernstes auf gute Umfrageergebnisse und gute Presse? Auf Friede, Freude, FDP-Eierkuchen?

Leute, geht’s noch?

Es sollte für UNS verdammt noch mal keine Rolle spielen, ob irgendein Vorstand irgendwas Dummes sagt und die Presse daraus einen Skandal konstruiert! Ehrliche Empörung über Verbalentgleisungen, ja. Aber aus den richtigen Motiven bitte! Nicht wegen potentiell schlechter Presse, sondern der Handlungen und Aussagen an sich. Und nebenbei kann man das auch sachlich und in ruhigem Ton tun. Ohne Beleidigungen, Drohungen, etc. Konstruktive Kritik, Baby.

So, auf zum zweiten Punkt:
Mangelnde Konsequenz. Warum genau Hartmut nicht sofort Konsequenzen gezogen hat, vermag ich nicht zu sagen. Ich war nicht dabei, ich habe auch nur bruchstückhafte Details via Twitter und der Onlinepresse. Sei’s drum. Was ich aber mutmaßen kann, losgelöst von der Causa Semken: das Ziehen von Konsequenzen ist für die allermeisten Menschen sehr schwer, egal worum es geht, egal in welcher Position sie sind. Es bedeutet nämlich zu allererst, sich selbst Fehler einzugestehen. Das ist aber schon darum schwer, weil der Mensch zu einer Heile-Welt-Mentalität neigt. Die Welt muss im Gleichgewicht sein. Geht irgendetwas schief, neigt der menschliche Verstand zu spontaner Uminterpretation, um die Welt wieder in Balance zu bringen. Und da das eigene Ego immer im Weg steht, werden zunächst auf der anderen Seite der Gleichung Korrekturen vorgenommen. Zum Beispiel ist der schlechte Rasen schuld, wenn die eigene Mannschaft verloren hat. Oder das Wetter. Oder die Gegner haben unfair gespielt. Hat unsere imaginäre Mannschaft aber gewonnen, ha, dann war das ganz unser Verdienst, keine Frage. So sind Menschen. Kognitive Dissonanz. Das ist kein Fehler im System Mensch, keine Grundlage für Vorwürfe an andere. Wir sind so. Festverdrahtet, unabänderlich.

Falls ihr mir bis hierher folgen konntet: Was ich damit sagen will ist, dass Hartmut aller Wahrscheinlichkeit die Fehler unbewusst(!) als weniger schlimm interpretiert hat, als korrigierbar eingestuft. Das wäre die natürliche Reaktion. Auch, das es ihm im Nachgang peinlich gewesen sein könnte ist wahrscheinlich. Mir wäre es peinlich gewesen. Ich selbst war auch in genug Situationen, in denen ich bei einer Dummheit ertappt wurde und nicht ohne weiteres zugeben konnte, das ich dumm gehandelt habe. Das ich erstmal gerechtfertigt habe, vor mir und vor anderen. Und erst, wenn die Beweislast zu groß wurde, habe ich zugegeben, dass ich falsch gehandelt habe. Meist mit einem „aber“, also gleich der nächsten Rechtfertigung.

So, Hände hoch, wer kennt solche Situationen? Wer jetzt „Ich nicht!“ sagt, liefert eigentlich schon den Beweis, dass er lügt. Denn jeder hat so etwas durch. Das ist es ja gerade, was ich damit sagen wollte. Dieses Rechtfertigen, Zurechtbiegen, Schönreden. Das ist menschlich, natürlich. Die Machterhaltskomponente habe ich da mal raus genommen, es geht mir gerade nur um die psychische Komponente, die Belastung für den einzelnen Menschen in solchen Momenten und die Weigerung, vor allem vor sich selbst Fehler zuzugeben und damit fehlbar zu sein.

Unter dieser Sichtweise ist es zumindest für mich, der ich selbst introspektiv und hinterfragend – und psychologisch-soziologisch geschult – bin, nachvollziehbar, warum Hartmut nicht gleich bei der ersten Angelegenheit seinen Hut genommen hat.

Ich für meinen Teil wünsche mir jetzt Besonnenheit von allen Seiten. Hartmut sollte sich etwas ausruhen, aber ich möchte, dass er der Partei nicht den Rücken kehrt. Ihm wird die gesamte Sache peinlich genug sein. Aber die Partei und unsere gemeinsamen Anliegen werden ihm wichtig genug sein, zu bleiben. Daran glaube ich. Das ist meine Heile Welt. Das wir alle dasselbe erreichen möchten.

04/23/12

Stürmische Zeiten

In der Online-Ausgabe der Volksstimme schreibt Michael Bock, dass sich die Piratenpartei in stürmischen Zeiten befinden würde. Dass wir nicht wüssten, wie wir mit rechtem Gedankengut umgehen sollen. Dass es überhaupt nur vage Vorstellungen der Ausrichtung der Partei und der angestrebten Basisdemokratie geben würde. Ich habe daraufhin einen Kommentar verfasst und ihn über die Webseite der Volksstimme abgeschickt. Allerdings erwarte ich nicht, dass er gedruckt oder auch nur freigeschaltet wird. Darum möchte ich ihn wenigstens hier veröffentlichen:

Sehr geehrter Herr Bock, vielleicht sollten Sie auch die Richtigstellung des aus dem Zusammenhang genommenen Zitates von Michele Marsching lesen sowie die inzwischen recht gut dokumentierte Erwiderung von zahlreichen Piraten in Basis und Vorständen, wie ein vernünftiger Umgang mit rechtem Gedankengut innerhalb der Partei am besten gestaltet werden sollte. Einem Aufruf beispielsweise von Marina Weisband, dem hunderte Piraten innerhalb weniger Stunden gefolgt sind. Oder dem sehr gutem Interview mit Martin Delius am Freitag, u.a. bei N24 und dem ZDF. Oder, oder, oder. Natürlich kann man das ignorieren, wenn man eine bestimmte Meinung verbreiten und erhalten will. Oder man kann sich selbst als aufgeklärter Bürger geben und alle Seiten betrachten. Welche Seite wählen Sie, Herr Bock?

Googlen Sie übrigens mal nach „Wahlprogramm“. Was finden Sie auf den ersten drei Plätzen? :)

Mit freundlichen Grüßen
Alexander Magnus
Piratenpartei Magdeburg

04/20/12

Hoffnungsträger FDP

Die falschen Liberalen titelt Anja Maier heute in der Online-Ausgabe der taz. Gemeint sind die, die derzeit und schon länger das Bild der neuen FDP verkörpern. Westerwelle, Rösler, Döring und wie die ganzen Nebelkerzenwerfer der politischen Showbühne noch alle heißen. Namen mit Gewicht, das wohl. Namen, die man fest mit der FDP verbindet – aber auch mit deren Niedergang. Continue reading

04/20/12

Keine Toleranz für menschenverachtende Meinungen

Ich bekenne mich hiermit öffentlich dazu, folgende Einstellungen und Meinungen nicht zu tolerieren:

– Rassismus
– Nationalsozialismus
– Geschichtsrevisionismus
– Antisemitismus
– Islamophobie
– Homophobie
– Sexismus
– und jedes weitere Weltbild, das Menschengruppen ausgrenzt oder verachtet, wegen Dingen, für die sie nichts können. (von Marina übernommen)

Ich bin jederzeit bereit, mit Menschen über diese Einstellungen und Meinungen zu reden, ihnen die Hand zu reichen, um diese Gedanken zu hinterfragen und hinter sich zu lassen und sie mit den Idealen der Piratenpartei zu vereinen. Aber ich bin nicht bereit, solche menschenverachtenden Meinungen und Einstellungen unreflektiert zu tolerieren und Foren für deren Verbreitung zu bieten. Jedem Menschen, der diesen Weg beschritten hat, ist die Möglichkeit zu bieten, diesen Weg auch wieder zu verlassen. Wer aber nicht davon abweichen will, hat in mir die falsche Person gefunden, diesen Mist weiter zu tragen.